Gedichte zum 35. Geburtstag für den Bruder


Statt früher Milch gibt’s heute Bier,
Fünfunddreißig feiern wir.
Auch Spaghetti gibt’s nicht mehr,
heute muss ein Kotelett her.
Zur Schule fuhrst Du mit dem Rad,
heut’ nimmst Du schon ein Rheuma-Bad,
schaust in den Spiegel und stellst fest:
ein graues Haar gibt Dir den Rest.
Doch auch nach fünfunddreißig Jahr’
bleibst Du mein Bruder, ist doch klar.

Auch wenn Du fünfunddreißig wirst
und Dich jeden Tag rasierst,
lieber mit dem Auto fährst
und das Gesagte schlechter hörst,
bleibst Du noch ein junger Mann,
mit dem man tüchtig feiern kann.

Zum Geburtstag, klein und fein,
sollen diese Worte sein.
Heute wirst Du fünfunddreißig,
willst Du nicht hören; ja, das weiß ich.
Doch dieser Tag ist ganz speziell,
deswegen gratulier’ ich schnell.

Vor über dreißig Jahren
bist Du Bobby-Car gefahren.
Nach fünfunddreißig Jahren
hast Du Angst vor grauen Haaren.
Du lerntest Rechnen, Schreiben, Lesen,
das ist nicht umsonst gewesen.
Denn Du verdienst Dein eigenes Geld,
schlägst Dich allein nun durch die Welt.
Kinder, Partner und auch Arbeit
sind die Themen dieser Zeit.
Noch unbeschwert warst Du als Kind,
heute weht ein anderer Wind.
Ich weiß, Du hast viel durchgemacht,
doch immer wieder auch gelacht.
Du warst immer für mich da,
auch heute noch, nach fünfunddreißig Jahr’.
Nun genug der vielen Worte,
stürzen wir uns auf die Torte!

Vor meinem Bruder, kurz und gut,
zieh’ ich heute meinen Hut.
Denn mit jeder Menge Kraft
hat er’s bis hierher geschafft.
fünfunddreißig Jahre Leben,
was kann es mehr zu feiern geben?

Ein Gedicht kommt immer gut,
dachte ich, und fasste Mut.
Doch jetzt langsam merke ich,
dass es schwierig ist für mich,
einen Glückwunsch zu verpacken,
denn mir sitzt die Zeit im Nacken.
Also sage ich ganz schlicht,
auch wenn es klingt wie ein Gedicht:
Zu fünfunddreißig Jahren wünsche ich Dir heut’
Glück und Gesundheit jetzt – und für alle Zeit.